Autorität

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Autorität

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Au|to|ri|t√§t [auŐģtori't…õ:t], die; -, -en:
1. <ohne Plural> auf Tradition, Macht, Können beruhender Einfluss und dadurch erworbenes Ansehen:
die Autorität des Vaters, des Staates; sich Autorität verschaffen.
Syn.: ‚ÜĎ Achtung, ‚ÜĎ Ansehen, ‚ÜĎ Einfluss, ‚ÜĎ Geltung, ‚ÜĎ Respekt.
2. Person, die sich auf einem bestimmten Gebiet Ansehen erworben hat, maßgeblichen Einfluss besitzt:
er ist eine, gilt als Autorität auf seinem Gebiet; sie ist eine Autorität im Fach Genetik.
Syn.: ‚ÜĎ Gr√∂√üe, ‚ÜĎ Kapazit√§t.

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Au|to|ri|t√§t ‚Ć©f. 20‚Ć™
I ‚Ć©unz.‚Ć™ Geltung, Ansehen, ma√ügebender Einfluss ‚óŹ jmds. \Autorit√§t untergraben; sich \Autorit√§t verschaffen; seine \Autorit√§t wahren
II ‚Ć©z√§hlb.‚Ć™ Person mit ma√ügebendem Einfluss, Person, deren Wissen u. Urteil allgemein anerkannt werden, anerkannter Fachmann ‚óŹ eine \Autorit√§t auf einem Gebiet sein
[<frz. autorit√© ‚ÄěMachtbefugnis‚Äú; zu lat. auctoritas ‚ÄěB√ľrgschaft, Sicherheit, Erm√§chtigung‚Äú]

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Au|to|ri|tät, die; -, -en [lat. auctoritas]:
1. <o. Pl.> auf Leistung od. Tradition beruhender Einfluss einer Person od. Institution u. daraus erwachsendes Ansehen:
kirchliche, elterliche A.;
die A. des Staates;
A. haben, besitzen;
sich A. verschaffen.
2. Persönlichkeit mit maßgeblichem Einfluss u. hohem [fachlichem] Ansehen:
eine medizinische A.;
sie ist eine A., gilt als A. auf ihrem Gebiet;
er ist f√ľr mich keine A.

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I
Autorität
 
[von lateinisch auctoritas ¬ĽAnsehen¬ę, ¬ĽGeltung¬ę, ¬ĽW√ľrde¬ę, ¬ĽMachtbefugnis¬ę] die, -/-en, der als rechtm√§√üig akzeptierte Einfluss einer Person, einer Gruppe oder einer Institution, aber auch von Auffassungen und Lehren sowie deren Repr√§sentanten. Autorit√§t konstituiert eine legitimierte, jedoch asymmetrische soziale Wechselbeziehung zwischen dem Tr√§ger von Autorit√§t (Personen, Gruppen, Institutionen) und denjenigen, die Autorit√§t anerkennen. Diese Beziehung ist charakterisiert durch Loyalit√§t, Vertrauen, sogar Gehorsam und Unterordnung bis hin zur Abh√§ngigkeit gegen√ľber dem Tr√§ger oder den Tr√§gern von Autorit√§t.
 
Der Begriff Autorit√§t entstammt dem r√∂mischen Recht und bezeichnete zun√§chst die Vollmacht des Senats, sp√§ter auch des Kaisers, Gesetzesbeschl√ľsse der Volksversammlungen (Comitien) vorher oder nachtr√§glich zu legitimieren und dadurch wirksam werden zu lassen.
 
Autorität im Sinne von verfassungsmäßiger Amtsgewalt und gesetzgeberischer Urheberschaft setzte sich unter sakral-rechtlichem Vorzeichen auch im mittelalterlichen Kaiser- und Papsttum fort.
 
Vom 15. Jahrhundert an begann sich die Legitimationsgrundlage f√ľr Autorit√§t zu ver√§ndern. Die Hinwendung zu den vorchristlichen antiken Quellen der Philosophie sowie das allm√§hliche Aufkommen der modernen Wissenschaften entkr√§fteten die alleinige Autorit√§t der biblischen Schriften. Im Zusammenhang mit der Franz√∂sischen Revolution entwickelte sich der Autorit√§tsbegriff zu einer der zentralen Parolen von Restauration und Reaktion. Autorit√§t galt dabei als Ordnungsfaktor, der sowohl die individuellen Freiheiten regulieren als auch die traditionelle Gesellschaftsform bewahren sollte; in dieser Bedeutung als strikte √úberordnung von Staat und Gesellschaft gegen√ľber liberaler Individualit√§t ging Autorit√§t in den konservativen Sprachgebrauch ein.
 
In der Soziologie ist die Abgrenzung beziehungsweise das Verh√§ltnis der Begriffe Macht - Herrschaft - Autorit√§t zueinander nicht abschlie√üend definiert. Herrschaft als institutionalisierte, ¬Ľgeronnene¬ę Macht ist von M. Weber synonym zum Begriff Autorit√§t verwendet worden. Macht ist dabei ¬Ľ... jede Chance, f√ľr einen Befehl bestimmten Inhalts bei angebbaren Personen Gehorsam zu finden¬ę. In diesem Sinne sind Herrschende die Tr√§ger von Macht. Autorit√§t beziehungsweise Herrschaft bedarf der Legitimit√§t. Nur so ist erkl√§rbar, dass gro√üe Menschengruppen von wenigen Machthabenden beherrscht werden k√∂nnen. Weber unterscheidet idealtypisch drei Formen legitimer Herrschaft: 1) die traditionelle, auf der Heiligkeit der Sitten und Br√§uche beruhende, 2) die charismatische, auf pers√∂nliche Eigenschaften des Herrschenden beruhende und 3) die auf dem politischen Gemeinwesen mit seinem ¬Ľcommon law¬ę (Werte- und Normensystem) beziehungsweise seinem entwickelten Rechtssystem beruhende Herrschaft.
 
Die Epoche der Aufkl√§rung machte den Konflikt von Autorit√§t und M√ľndigkeit bewusst. Die Idee der freien und vern√ľnftigen Selbstbestimmung des Individuums widerstrebt dem in jeder Autorit√§t mitgesetzten Moment von Bevormundung und Fremdbestimmung (Heteronomie). Andererseits k√∂nnen aber gerade auch aufgekl√§rte Gesellschaften wegen ihrer komplexen und arbeitsteiligen Organisationsform nicht auf normative, institutionelle oder fachliche Autorit√§t verzichten; nicht nur aus Motiven der √úberlebenssicherung, sondern auch um ein m√∂glichst gro√ües Quantum an Freiheits- und Lebenschancen sowie Rechtssicherheit zu gew√§hrleisten.
 
Das 20. Jahrhundert hat au√üerordentlich extreme Stellungnahmen zum Autorit√§tsproblem hervorgebracht, von den totalit√§ren Ideologien und Regierungsformen des Faschismus und Stalinismus in Deutschland und der Sowjetunion √ľber autorit√§re Staatsformen in anderen Staaten (u. a. Portugal und Spanien) bis zu anarchistisch-antiautorit√§ren Bewegungen. Nicht zuletzt deshalb hat auch die theoretische Auseinandersetzung mit den verschiedenen Erscheinungsformen von Autorit√§t verschiedene Ans√§tze entwickelt.
 
So konzentriert sich die politische und rechtliche Diskussion von Autorit√§tsproblemen heute mehr auf Begriffe wie Totalitarismus und Autoritarismus einerseits und Verfahren der demokratischen Legitimation von Herrschaft andererseits. Dabei steht v. a. die Frage im Mittelpunkt, ob und unter welchen Voraussetzungen politisches Handeln und politischen Institutionen den Anspruch legaler Autorit√§t erheben d√ľrfen.
 
 
unterscheidet man zun√§chst gruppenspezifische Formen von Autorit√§t, die z. B. beim Milit√§r, in Kirchen, Parteien, Vereinen, in Wirtschaft, Kultur- und Bildungswesen, in Schule und Familie stark voneinander abweichen. Bedeutsam war die Entdeckung eines neuen, gesellschaftlich ma√ügeblich werdenden Autorit√§tstyps: die sachlich-funktionale Autorit√§t des Experten. Sie gilt, soweit sie ausgewiesene (z. B. wissenschaftliche, technische, √∂konomische oder k√ľnstlerische) Kompetenz betrifft, als notwendiger Ausdruck von Spezialisierung. Probleme entstehen jedoch durch die Ausbildung einer Expertenkaste, deren Objektivit√§t und Sachkunde weder von den politischen Entscheidungstr√§gern noch von den betroffenen Laien hinreichend kontrolliert werden k√∂nnen.
 
Gegen√ľber Autorit√§t wurde insbesondere durch die Studentenrevolte von 1968 eine antiautorit√§re Rebellion mobilisiert. Die Frauenbewegung der letzten Jahrzehnte kritisierte die Dominanz der Vater- und M√§nnerautorit√§t in der patriarchalen Familie und Gesellschaft. Im Programm der Antip√§dagogik findet sich eine radikale Absage an die √úberfrachtung der Erziehung mit der Autorit√§t von Kultur- und Bildungsidealen. Die Erziehung zur Selbstst√§ndigkeit hat in Verbindung mit Tendenzen zum Laissez-faire-Prinzip im Umgang mit Kindern und Jugendlichen den Individualismus der folgenden Generationen beg√ľnstigt. Seit den 1980er-Jahren wird aus kultursoziologischer Sicht im Zusammenhang mit den Begriffen Wertewandel und Postmaterialismus u. a. ein Verlust der Akzeptanz von Autorit√§t, abh√§ngig insbesondere von der Zugeh√∂rigkeit zu bestimmten Altersgruppen und dem Bildungsniveau, konstatiert. Eingebettet in diese komplexen historisch-soziokulturellen Wandlungsprozesse ist die Relativierung von historisch gewachsenen sozialen Werten und Normen. Eine Folge ist die Ersch√ľtterung des Selbstverst√§ndlichkeitscharakters der verhaltenssteuernden Wirkung √ľberkommener Werte, was bei vielen Menschen zu tiefer Verunsicherung gef√ľhrt hat (Werte-, Sinn- und Kulturkrise).
 
 
F. W. Foerster: A. u. Freiheit (1910);
 
Studien √ľber A. u. Familie, hg. v. M. Horkheimer (Paris 1936, Nachdr. 1987);
¬†H. Wagenvoorst u. G. Tellenbach: Auctoritas, in: Reallex. f√ľr Antike u. Christentum, Bd. 1 (1950);
 J. Wach: Religionssoziologie (a. d. Engl., 1951);
 R. M. MacIver: Macht u. A. (a. d. Engl., 1953);
 H. Hartmann: Funktionale A. (1964);
 P. C. Mayer-Tasch: Autonomie u. A. (1968);
 
Die autoritäre Gesellschaft, hg. v. G. Hartfiel (31972);
 H. Rabe: A., Elemente einer Begriffsgesch. (1972);
 M. Weber: Wirtschaft u. Gesellschaft (51972; Nachdr. 1990);
 C. J. Friedrich: Tradition u. A. (a. d. Amerikan., 1974);
 T. Eschenburg: Über A. (Neuausg. 1976);
 W. Schurian u. K. W. ter Horst: A. u. Jugend (1976);
 T. Ziehe: Pubertät u. Narzißmus (31984);
 F. Neumann: Demokrat. u. autoritärer Staat (Neuausg. 1986);
¬†T. W. Adorno: Erziehung zur M√ľndigkeit (141993);
¬†E. v. Braunm√ľhl: Antip√§dagogik (81993);
 T. W. Adorno: Studien zum autoritären Charakter (a. d. Engl., Neuausg. 1995);
 R. Inglehart: Kultureller Umbruch. Wertewandel in der westl. Welt (Neuausg. 1995);
 Gerhard Schulze: Die Erlebnisgesellschaft (51995).
 
II
Autorität,
 
Autorit√§t begr√ľndet ein Verh√§ltnis der √úber- und Unterordnung zwischen Menschen sowie zwischen Menschen und Institutionen. Kennzeichnend f√ľr Autorit√§t als Befehls- oder Einflussverh√§ltnis (im Gegensatz zur reinen Macht) ist ihre sinnvolle Bejahung durch alle Beteiligten. Man unterscheidet ¬Ľpers√∂nliche¬ę, das hei√üt in Kleingruppen erworbene Autorit√§t, die auf die Vorbildhaftigkeit oder das besondere Leistungsverm√∂gen einer Person (z. B. Intelligenz und √úberzeugungskraft, Fachwissen, Bildung) zur√ľckgeht, von ¬Ľunpers√∂nlicher¬ę oder ¬Ľformaler¬ę, das hei√üt in gr√∂√üeren Sozialzusammenh√§ngen beziehungsweise Organisationen auftretender Autorit√§t, die sich auf Tradition, Recht, Eigentum oder bestimmte (z. B. religi√∂se oder magische) Vorstellungen gr√ľndet. Der Rang eines Autorit√§tstr√§gers kann sich aber auch aus einem Amt herleiten; in diesem Fall spricht man von ¬Ľdelegierter¬ę Autorit√§t. Aufgrund der unterschiedlichen Basis von Autorit√§t kann v. a. in Organisationen, in denen der Arbeit von Experten entscheidende Bedeutung zukommt (z. B. in Krankenh√§usern und Universit√§ten), eine doppelte Autorit√§tsstruktur entstehen, die sich aus administrativ bedingter (hierarchisch aufgebauter) ¬ĽAmtsautorit√§t¬ę und durch die Berufsgruppen bedingter (kollegial bestimmter) ¬ĽFachautorit√§t¬ę zusammensetzt.
 
Grunds√§tzlich muss auch zwischen autorit√§rer Forderung nach Unterordnung (beziehungsweise Gehorsam) und einem p√§dagogischen F√ľhrungswillen, der Hilfestellung zur unumg√§nglichen Einordnung und Selbstentwicklung gibt, unterschieden werden. Die antiautorit√§re Erziehung betont demgegen√ľber die grunds√§tzliche M√∂glichkeit, dass man alle Ordnungen, an die man sich anpassen soll, infrage stellen kann.
 

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Au|to|ri|t√§t, die; -, -en [lat. auctoritas]: 1. <o. Pl.> auf Leistung od. Tradition beruhender Einfluss einer Person od. Institution u. daraus erwachsendes Ansehen: kirchliche, elterliche A.; die A. des Staates; A. haben, besitzen; sich A. verschaffen. 2. Pers√∂nlichkeit mit ma√ügeblichem Einfluss u. hohem [fachlichem] Ansehen: eine medizinische A.; er ist eine A., gilt als A. auf seinem Gebiet; er ist f√ľr mich keine A.

Universal-Lexikon. 2012.


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